"Am Tage, da ich meinen Pass verlor, entdeckte ich mit achtundfünfzig Jahren, dass man mit seiner Heimat mehr verliert als einen Fleck umgrenzter Erde." - Aus "Erinnerungen"
Hier auf dieser Seite erfahren Sie Vieles über den Schriftsteller und Europäer Stefan Zweig
 
   
     
 






Stefan Zweig - Sternstunden der Menschheit



Über die Sternstunden der Menschheit:



Sternstunden der Menschheit ist eine Sammlung von 14 historischen kurze Texte.
Sie wurden von Zweig vor 1927 verfasst und erschienen im Leipziger Insel Verlag im Jahre 1927 zum ertsen Mal.




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Inhalt


1 Die Weltminute von Waterloo General Grouchys vergeblicher Versuch, Napoléon zu Hilfe zu kommen 1815
2 Die Marienbader Elegie Goethes unerfüllte Liebe zu Ulrike von Levetzow 1821
3 Die Entdeckung Eldorados Erschließung großer Teile Kaliforniens durch Johann August Sutter 1848
4 Heroischer Augenblick Fjodor Dostojewskis Begnadigung 1849
5 Der Kampf um den Südpol Robert Scotts gescheiterte Südpol-Expedition 1912


1943 wurden die Sternstunden der Menschheit um weitere sieben Texte erweitert.

1 Flucht in die Unsterblichkeit Entdeckung des Pazifiks 1513
2 Die Eroberung von Byzanz Belagerung und Eroberung von Konstantinopel 1453
3 Georg Friedrich Händels Auferstehung Erschaffung des Oratoriums Messias 1741
4 Das Genie einer Nacht Rouget de Lisle komponiert die Marseillaise 1792
5 Das erste Wort über den Ozean Verlegung des ersten Transatlantischen Kabels 1858
6 Die Flucht zu Gott Leo Tolstois Tod 1910
7 Der versiegelte Zug Lenins Rückkehr nach Russland 1917


In der modernen Ausgabe sind zwei weitere Texte enthalten, die bereits seit 1940 in der englischen Ausgabe enthalten war:

1 Cicero Marcus Tullius Ciceros Einsatz für die Wiederherstellung der Republik nach der Ermordung Cäsars 43 v. Chr.
2 Wilson versagt Scheitern des US-Präsidenten Woodrow Wilson bei den Verhandlungen um den Friedensvertrag von Versailles 1919


Vorwort von Stefan Zweig



Kein Künstler ist während der ganzen vierundzwanzig Stunden seines täglichen Tages ununterbrochen Künstler; alles Wesentliche, alles Dauernde, das ihm gelingt, geschieht immer nur in den wenigen und seltenen Augenblicken der Inspiration. So ist auch die Geschichte, in der wir die größte Dichterin und Darstellerin aller Zeiten bewundern, keineswegs unablässig Schöpferin. Auch in dieser "geheimnisvollen Werkstatt Gottes", wie Goethe ehrfürchtig die Historie nennt, geschieht unermeßlich viel Gleichgültiges und Alltägliches.

Auch hier sind wie überall in der Kunst und im Leben die sublimen, die unvergeßlichen Momente selten. Meist reiht sie als Chronistin nur gleichgültig und beharrlich Masche an Masche in jener riesigen Kette, die durch die Jahrtausende reicht, Faktum an Faktum, denn alle Spannung braucht Zeit der Vorbereitung, jedes wirkliche Ereignis Entwicklung. Immer sind Millionen Menschen innerhalb eines Volkes nötig, damit ein Genius entsteht, immer müssen Millionen müßige Weltstunden verrinnen, ehe eine wahrhaft historische, eine Sternstunde der Menschheit in Erscheinung tritt. Entsteht aber in der Kunst ein Genius, so überdauert er die Zeiten; ereignet sich eine solche Weltstunde, so schafft sie Entscheidung für Jahrzehnte und Jahrhunderte.

Wie in der Spitze eines Blitzableiters die Elektrizität der ganzen Atmosphäre, ist dann eine unermeßliche Fülle von Geschehnissen einander abläuft, komprimiert sich in einen einzigen Augenblick, der alles bestimmt und alles entscheidet: ein einziges Ja, ein einziges Nein, ein Zufrüh oder ein Zuspät macht diese Stunde unwiderruflich für hundert Geschlechter und bestimmt das Leben eines Einzelnen, eines Volkes und sogar den Schicksalslauf der ganzen Menschheit. Solche dramatisch geballten, solche schicksalsträchtigen Stunden, in denen eine zeitüberdauernde Entscheidung auf ein einziges Datum, eine einzige Stunde und oft nur eine Minute zusammengedrängt ist, sind selten im Leben eines Einzelnen und selten im Laufe der Geschichte. Einige solcher Sternstunden - ich habe sie so genannt, weil sie leuchtend und unwandelbar wie Sterne die Nacht der Vergänglichkeit überglänzen - versuche ich hier aus den verschiedensten Zeiten und Zonen zu erinnern.

Nirgends ist versucht, die seelische Wahrheit der äußern oder innern Geschehnisse durch eigene Erfindung zu verfärben oder zu verstärken. Denn in jenen sublimen Augenblicken, wo sie vollendet gestaltet, bedarf die Geschichte keiner nachhelfenden Hand. Wo sie wahrhaft als Dichterin, als Dramatikerin waltet, darf kein Dichter versuchen, sie zu überbieten.




Die Werke heute:

Die Weltminute von Waterloo 1815
Die Marienbader Elegie 1821
Die Entdeckung Eldorados 1848
Heroischer Augenblick 1849
Der Kampf um den Südpol 1912
Flucht in die Unsterblichkeit 1513
Die Eroberung von Byzanz 1453
Georg Friedrich Händels Auferstehung 1741
Das Genie einer Nacht 1792
Das erste Wort über den Ozean 1858
Die Flucht zu Gott 1910
Der versiegelte Zug 1917





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