Stefan Zweig - der europäische Schriftsteller

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Stefan Zweigs 2. Überseereise nach Amerika 1912 - Ankunft in New York:



New York 1912 Hudson River

Stefan Zweig schreibt:

" ..... Schließlich wurde dieses Gefühl der Sinnlosigkeit meines Straßenwanderns so stark, dass ich es nur überwinden konnte, indem ich es mir durch einen Kunstgriff es mir anziehender machte.

Ich erfand mir nämlich ein Spiel mit mir selbst.
Ich suggerierte mir, da ich hier völlig einsam herumirrte, ich wäre einer der unzähligen Auswandere, die nicht wussten, was mit sich anzufangen und hätte nur sieben Dollar in der Tasche..... So begann ich von Stellenbüro zu Stellenbüro zu wandern und.... Nach zwei Tagen hatte ich theoretisch fünf Posten gefunden, die mir das Leben hätten fristen können. niemand fragte mich nach meiner Nationalität, meiner Religion, meiner Herkunft, und ich war ja - phantastisch für unsere heutige Welt der Fingerabdrücke, Visen und Polizeinachweise - ohne Paß gereist. aber da.....


Aus " Die Welt von Gestern. - Erinnerungen eines Europäers". Kapitel "Über Europa hinaus"




Wir freuen uns über Ihren Besuch. Hier finden Sie ausführliche Informationen über das Leben Stefan Zweigs, seiner Freunde und seiner Werke. Sie finden viele Bilder und Darstellungen.

Biographie





STEFAN ZWEIG wurde am 28. November 1881 in Wien als Sohn des Textilindustriellen Moritz Zweig geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Wien 1891-1899 studierte er Germanistik und Romanistik und wurde mit einer Arbeit über Die Ursprünge des zeitgenössischen Frankreich 1904 in Wien zum Dr. phil. promoviert.


Unter dem Einfluß Hofmannsthals schrieb er früh Gedichte (Silberne Saiten, 1901). Seine ersten Novellen (D) erschienen 1904. Weitere Novellenbände (Brennendes Geheimnis, 1911, Amok, 1922, Sternstunden der Menschheit, 1927) folgten und machten ihn weltberühmt wie auch seine großen Biographien (Romain Rolland, 1921, Joseph Fouché, 1929, Maria Stuart, 1935, Magellan, 1938, Balzac, postum 1946).

Diese Werke verbanden subtile Seelenkenntnis mit einem spannungsreichen Erzählstil. Der Erste Weltkrieg machte Zweig zum Pazifisten und Mitstreiter Romain Rollands. Nach einer Tätigkeit im Kriegsarchiv ging er 1917 nach Zürich und arbeitete bis 1919 für die »Neue Freie Presse« in der Schweiz. 1920 heiratete er Fridenke von Winternitz. Er wohnte von 1919 bis 1934 in Salzburg, ehe er nach London emigrierte.



Viele Studien- und Vortragsreisen führten ihn nicht nur in die westeuropäischen Länder, sondern auch nach Indien 1910, Nord- und Mittelamerika 1912, die Sowjetunion 1928 und ab 1935 mehrfach nach Südamerika. 1938 war seine erste Ehe geschieden worden, 1939 heiratete er Lotte Altmann. Er lebte kurze Zeit in New York und siedelte 1941 nach Petropolis (Brasilien) über, wo er am 22. Februar 1942 zusammen mit seiner zweiten Frau den Freitod suchte. In seinem Nachlaß fanden sich auch seine Erinnerungen eines Europäers, die voll Nostalgie und Trauer Die Welt von Gestern beschwören. Zweigs schriftstellerisches Werk, darunter Nachdichtungen von Verhaeren, Baudelaire und Verlaine sowie viele politische und literarhistorische Essays, beeindruckt heute wie damals durch sein humanistisch geprägtes Weltbürgertum.



STEFAN ZWEIG
Vermittler zwischen Menschen, Völkern und Kulturen

Das Wien um 1900 ist das Wien Hugo von Hofmannsthals und Stefan Zweigs, es ist auch die müde, lebenssatte Metropole der österreichisch-ungarischen Monarchie in der schönen Epoche vor dem großen Krieg. Es ist ein Wien, von dem man meinen möchte, daß Kaiser Franz Joseph es absichtlich in einen Dornröschenschlaf versenkt hatte. Die jungen Dichter dieser Metropole gefielen sich allzusehr in ihrer selbstbespiegelnden, ästhetisierenden Wesensart. Möchten wir indessen auch nur eines der Gedichte missen, die die damals Siebzehn- bis Achtzehnjährigen schrieben? Jenes von Hofmannsthal. Manche freilich müssen drunten sterben, in dem der Knabe, Abkömmling einer lombardischen Aristokratin und eines vom Kaiser in den Adelsstand erhobenen Vaters, er, der Erbe eines alten Geschlechts, jene unvergeßlichen Zeilen dichtete:

Ganz vergessener Völker Müdigkeiten kann ich nicht abtun von meinen Lidern .

Oder jenes von Stefan Zweig, das der siebzehnjährige Schüler Herbst nennt und das dann später der nur um wenige Jahre ältere Max Reger mit anderen Gedichten des jungen Dichters vertonte und das über Jahre in vielen Konzerten zu hören war. Es ist makellos in der Form-, aber schon von einer seltsamen Ahnung kommenden schweren Lebens gezeichnet, das sich dann so schicksalhaft erfüllen sollte. Sein ganzes Leben hindurch hat Stefan Zweig dieses Herbstgefühl nicht verlassen:

Max Reger hat noch oft Gedichte von Stefan Zweig vertont, ihn sogar um neue dichterische Vorlagen gebeten.
Wie entscheidend und wesentlich die Dichtung der Wiener Jugend für die gesamte europäische Dichtung wurde, braucht nicht literarhistorisch begründet zu werden. Wohl aber wird es nicht ohne Interesse sein, uns jene Zeit um die Jahrhundertwende, durch ihren Repräsentanten Stefan Zweig ins Gedächtnis zu rufen.

Stefan Zweig, neben Hofmannsthal die eigenwilligste und eindringlichste Gestalt des Wiener Kreises, der aufgeschlossenste Zeitgenosse von ihnen, wurde zugleich ihr Chronist wider Willen, mit den weitgespannten Erinnerungen eines Europäers Die Welt von Gestern (1942), die einen Zeitraum von fünfzig Jahren umschließen:

»Man lebte gut, man lebte leicht und unbesorgt in jenem alten Wien, und die Deutschen im Norden sahen etwas ärgerlich und .................. Werten Lebens . Und wirklich, was ging sie das an, was außerhalb Osterreichs geschah, was veränderte es in ihrem Leben? In ihrem Osterreich gab es in jener windstillen Epoche keine Staatsumwälzungen, keine jähen Wertzerstörungen; ...« (aus: Die Welt von Gestern)



Stefan Zweig, von dem die Kritik später rühmend sagte, er besäße eine ungeheure Witterung für Dinge und Menschen, wäre nicht der »Psychologe aus Leidenschaft« geworden, wenn nicht schon damals jene Instinkte in ihm wach gewesen wären, die auf jede Gefahr und Veränderung minutiös reagieren.
Sein Freund Franz Werfel hat in seiner schönen Studie Stefan Zweigs Tod von ihm gesagt: »Seiner Mahnung lieber ein Jahr zu früh, als einen Tag zu spät, hat er treulich gehorcht, denn Rechtzeitigkeit ist eine Tugend, die Stefan Zweig nicht nur in der Stoffwahl seiner Werke, sondern auch in der Gestaltung seines Lebens bewährt hat.« So sah und erlebte Zweig von Jugend an mehr als nur die glatte Oberfläche. Seine Gesellschaftskritik bleibt zwar stets verbindlich, war aber darum nicht weniger eindringlich. Wien gab ihm Impulse auch anderer Art, legte in diesem überempfindsamen Menschen die Grundlage zu einem härteren Leben. Er fühlte sehr wohl - damals wie auch später, als ihn seine Freunde 1938 einen »Schwarzseher« nannten:
»Daß etwas Neues in der Kunst sich vorbereitete, etwas, das leidenschaftlicher, problematischer, versucherischer war als unsere Eltern und unsere Umwelt befriedigt hatte, war das eigentliche Erlebnis unserer Jugendjahre. Aber fasziniert von diesem einen Ausschnitt des Lebens, merkten wir nicht, daß diese Verwandlungen im ästhetischen Raume nur Aussebwingungen und Vorboten viel weiterreichender Veränderungen waren, welche die Welt unserer Väter, die Welt der Sicherheit erschüttern und schließlich vernichten sollten - «(aus: Die Welt von gestern).

Er ist immer der wache Geist geblieben, bis zur bitteren Konsequenz jenes Februartages des Jahres 1942 im fernen Brasilien, wo er »rechtzeitig« sein Leben beschloß!«

Seine Jugend hatte er verwöhnt in einem reichen Elternhaus verbracht. Die Schule nahm er ohne sonderliche Anteilnahme hin als etwas anscheinend Notwendiges. Arthur Schnitzler, ein anderer Wiener Freund, sagte von ihm, Stefan Zweig wäre ein überdurchschnittlich begabter Schüler gewesen, dem alle Aufgaben »bummelnd in den Schoß« fielen. Aber mit dem Tage der Schulentlassung stand für ihn die Welt offen, und es verlockte ihn, ihre Weite kennenzulernen, ihre Tiefe auszuloten. Schnell durchlief er die ersten Wiener Semester, um dann nach Berlin zu gehen, das ihn anzog, weil er das Gegensätzliche auskosten wollte, das Fremde einer Stadt, die wenig oder gar nichts mit der Stätte seiner Kindheit gemein hat.

»In Berlin saß ich in den Cafes und Wirtschaften zusammen am selben Tisch mit schweren Trinkern und Homosexuellen und Morphinisten, ich schüttelte - sehr stolz- die Hand einem ziemlich bekannten und abgestraften Hochstapler. Alles, was ich den realistischen Romanen kaum geglaubt hatte, schob und drängte sich in den kleinen Wirtsstuben und Cafes, in die ich eingeführt wurde, zusammen, und je schlimmer eines Menschen Ruf war, um so begehrlicher mein Interesse, seinen Träger persönlich kennenzulernen. Diese besondere Liebe oder Neugier für gefährdete Menschen hat mich übrigens mein ganzes Leben begleitet ... «(aus: Die Welt von Gestern)

Die ersten Gedichtbände mit den bezeichnenden Titeln der Jugend Silberne Saiten (1901), Frühe Kränze (1906), der erste Novellenband Die Liebe der Erika Ewald (1904) und anderes waren erschienen. Studien über Verlaine, Rimbaud, Balzac und andere große Dichter, vor allem Frankreichs, erregten Aufsehen in den Kreisen der Literatur, denen dieser hervorragend schreibende Mann aus Wien auffallen mußte.

Mit zwanzig Jahren wurde Zweig zum Doktor phil. promoviert, um dann sehr klar und entschieden zu erkennen, daß er auf dem eingeschlagenen akademischen Weg nicht weit kommen würde, Vor allem widmete er sich nun dem fremden Werk. Er wurde Diener und Mittler zwischen den Völkern durch Übertragung wesentlicher Dichtungen, deren Schöpfer später zumeist seine engsten Freunde werden sollten, wie Romain Rolland oder Emile Verhaeren, dessen Werk er in Deutschland bekannt, ja berühmt gemacht hat.


»Dem eigenen Wunsch und dem Rate Richard Dehmels folgend, nützte ich meine Zeit, um aus fremden Sprachen zu übersetzen, was ich noch heute für die beste Möglichkeit für einen jungen Dichter halte, den Geist der eigenen Sprache tiefer und schöpferischer zu begreifen ... Gerade dadurch, daß jede fremde Sprache in ihren persönlichsten Wendungen zunächst Widerstände für die Nachdichtung schafft, fordert sie Kräfte des Ausdrucks heraus, die ungesucht sonst nicht zum Einsatz gelangen, und dieser Kampf, der fremden Sprache zäh das Eigenste abzuzwingen, hat für mich immer eine besondere Art künstlerischer Lust bedeutet. Weil diese stille und eigentlich unbedankte Arbeit Geduld und Ausdauer forderte, wurde sie mir besonders lieb; denn an dieser bescheidenen Tätigkeit der Vermittlung erlauchten Kunstguts empfand ich zum erstenmal die Sicherheit, etwas wirklich Sinnvolles zu tun, eine Rechtfertigung meiner Existenz...«

Dieser Arbeit, nur gelegentlich durch eigene Versuche dichterischer oder nachgestaltender Art unterbrochen, gab er sich mit einer Ausschließlichkeit hin, die bewunderungswürdig ist.
Er verband dieses volle Jahrzehnt - bis zum Ersten Weltkrieg - mit ausgedehnten Reisen nach Frankreich, England, Italien, Schweden, Spanien, Kanada, Kuba, Mexiko, Amerika, Indien, Ceylon, China, Afrika »und bin so allmählich Europäer geworden«, wie er selbst von sich sagte. Diese zehn Jahre haben ihn reif gemacht und innerlich gefestigt. Überall in der Welt hatte er Freunde, deren Namen klang- und glanz- voll sind: Rolland, Masereel, Gorki, Shaw, Toscanini, Bruno Walter, Albert Schweitzer, eine lange, ehrenvolle Liste ließe sich zusammenstellen.

Rilke und Hofmannsthal waren ihm verbunden in Freundschaft und herzlicher Gesinnung, bis der Tod eingriff und beide Dichter, wenige Jahre nacheinander, 1926, Rilke, 1929 Hofmannsthal, abberief und der Freund, Stefan Zweig, beiden die Grabreden halten mußte, die von der Liebe und Verehrung aussagen, von der Anerkennung ihrer emmaligen Erscheinungen im deutschen, im europäischen Dichtungsbereich. Tief hatte ihn der Tod dieser Freunde getroffen, wie auch der jenes anderen Wieners, dem er die Grabrede halten sollte: Sigmund Freud: »Und als wir Freunde seinen Sarg in die englische Erde senkten, wußten wir, daß wir das Beste unserer Heimat ihr gegeben.« (aus:Die Welt von Gestern)

Mit dem Ersten Weltkrieg begann für ihn eine einschneidende Wendung. Der Krieg war die schmerzlichste Zeit seines Lebens. Abermals packte ihn der Arbeits- und Leistungswille. Endgültig setzte er sich Plan und Ziel, die Tat allein sollte nun entscheiden. Es sind fruchtbare Jahre für Stefan Zweig, Jahre der Reife, der Einkehr und der Wandlung.

Mut, Entschlossenheit und immer wieder Liebe zum Menschen waren es, die ihn auf den neuen Weg wiesen, wo er wirken und schaffen konnte, aber nun nicht mehr nur für sich allein, sondern für Europa und für alle Menschen, denen Mensehtum und Freiheit keine leeren Phrasen sind, Mitten im Weltkrieg schrieb er sein Drama Jeremias. »Jetzt zum erstenmal hatte ich das Gefühl, gleichzeitig aus mir selbst zu sprechen und aus der Zeit. Indem ich versuchte, den andern zu helfen, habe ich damals mir selbst geholfen...«

»Von dem Augenblick, da ich versuchte, die Krise zu gestalten, litt ich nicht mehr so schwer an der Tragödie der Zeit .. Immer lockte es mich, die innere Verhärtung zu zeigen, die jede Form der Macht in einem Menschen bewirkt, die seelische Erstarrung, die bei ganzen Völkern jeder Sieg bedingt... Mitten im Kriege, indes die andern sich noch, voreilig triumphierend, gegenseitig den unfehlbaren Sieg bewiesen, warf ich mich schon in den untersten Abgrund der Katastrophe und suchte den Aufstieg.«



Unvergleichlich schien die jetzt einsetzende Intensität dieses Dichters und Schriftstellers, Längst hatten Erfolg und Weltruhm sich an seinen Namen geheftet. Vor allem liebte ihn die Jugend, der sein Werk Vertrauen und Hoffnung, Beispiel und Richtung gab. Seine Leser, die nach Hunderttausenden zählten, erwarteten jedes neue Buch von ihm mit Ungeduld. Ob es nun Novellen waren, in denen er mit Einfühlungsvermögen, in einer pathetisch überhöhten Sprache, psychische Prozesse verfolgte (Angst, 1920); Amok, 1922; Verwirrung der Gefühle, 1927) oder die großen Biographien, in denen er das Schicksalhafte bestimmter Begebenheiten herausstellte (Josef Fouché, 1929; Die Heilung durch den Geist, 1931;

Marie Antoinette, 1932 Erasmus von Rotterdam, 1934; Maria Stuart, 1935)- oder die mit großartiger Brillanz geschriebenen Lebensbilder von Hölderlin, Kleist, Balzac, Dickens, Nietzsche und andere literarische Porträts, immer weiter und größer wurde sein Wirkungskreis, weit über die Grenzen des eigenen Landes hinaus.

Das einzigartige seiner starken und vollen Persönlichkeit war jedoch, daß er Kamerad, Freund und Diener zugleich war, wobei wir noch ein anderes Moment in diesem Menschen erkennen, nämlich das der persönlichen Bescheidenheit, ein Wesenszug, der besonders die Jugend des In- und Auslandes immer wieder in seinen Bann zog, die in dem Dichter der Sternstunden der Menschheit den Menschen liebte und verehrte, den Hermann Hesse einmal »einen Meister der Freundschaft« nannte und von dem Romain Rolland im April 1919 in seinen Tagebuchaufzeichnungen schrieb: »Ich kenne unter meinen Freunden keinen, der einen tieferen und frömmeren Freundschaftskult triebe als Stefan Zweig - Freundschaft ist seine Religion.« Das dichterische Werk Stefan Zweigs ist heute gültig wie damals, aber er beeindruckt auch als Europäer, der in einer Front mit anderen großen Dichtern den Gedanken der Einheit Europas zu einer Zeit vertrat, als ihn nur vage wenige zu denken wagten.

Und je stärker sich für ihn die literarische Welt interessierte, ihn ins Rampenlicht der breiten Öffentlichkeit zerren wollte, desto mehr verbarg sich der Mensch Zweig, um ganz seiner Aufgabe zu leben: Rufer und Mahner zu sein in einer Welt, die sichtbar vor aller Augen mit Riesensehritten einem Abgrund zusteuert, Gleich Romain Rolland erhob er immer wieder seine Stimme, in unbeugsamer Anspannung zu versuchen, » auch das fremdeste zu verstehen, immer Völker und Zeiten, Gestalten und Werke nur in ihrem positiven, ihrem schöpferischen Sinne zu bewerten und durch solches Verstehenwollen und Verstehenmachen demütig, aber treu unserem unzerstörbaren Ideal zu dienen: der humanen Verständigung zwischen Menschen, Gesinnungen, Kulturen und Nationen«, wie er es in seinem großen Vortrag 1932 in Florenz auf der Europatagung unter dem stürmischen Beifall einer internationalen Zuhörerschaft ausrief. Diese Rede, enthalten in dem Band Zeit und Welt, der einige der wesentlichsten Essays Zweigs vereinigt, ist gerade heute für uns von besonderem Interesse, nicht minder die Aufzeichnungen über seine Reise nach Russland.

Stefan Zweigs letztes Buch, die Erinnerungen eines Europäers, das nach seinem Tode unter dem kennzeichnenden Titel Die Welt von Gestern erschien, lesen wir mit jener Ergriffenheit, die immer dann sich einstellt, wenn das Leben und das Wirken des sich selbst Darstellenden weit über das private Schicksal hinaus unser eigenes Leben in dieser Zeit angeht. Keine Seite steht in diesem umfangreichen Buch, die nicht angefüllt wäre mit Erleben und Erlebnis. Seine Aufzeichnungen reichen zurück bis in die Jahrhundertwende und enden mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Wer das Glück hatte, Stefan Zweig freundschaftlich verbunden gewesen zu sein, der empfindet Schmerz und Trauer bei der Lektüre dieses letzten Buches, in dem noch einmal der Freund, der Dichter und Europäer zu uns sprach. Dieses persönlichste Werk ist das Vermächtnis des alten Zweig an die Jugend: »Jener Septembertag 1939 zieht den endgültigen Schlußstrich unter die Epoche, die uns Sechzigjährige geformt und erzogen hat. Aber wenn wir mit unserem Zeugnis auch nur einen Splitter Wahrheit aus ihrem zerfallenden Gefüge der nächsten Generation übermitteln, so haben wir nicht vergebens gewirkt«, so heißt es an einer Stelle dieses Buches. Stefan Zweig war, als er das sechste Lebensjahrzehnt beendet hatte, müde und einsam. Er fühlte sich alt, ja verlassen und abgesperrt von der Welt.

Und wenn er in seiner Welt von Gestern 1942 sagte:
»Ich schreibe sie [meine Erinnerungen] in der Fremde und ohne den mindesten Gedächtnisbehelf. Kein Exemplar meiner Bücher, keine Aufzeichnungen, keine Freundesbriefe sind mir in meinem Hotelzimmer zur Hand. Nirgends kann ich mir Auskunft holen, denn in der ganzen Welt ist die Post von Land zu Land abgerissen oder durch die Zensur gehemmt. Wir leben jeder so abgesondert wie vor hunderten Jahren, ehe Dampfschiff und Bahn und Flugzeug und Post erfunden waren. Von all meiner Vergangenheit habe ich also nichts mit mir, als was ich hinter der Stirne trage.Alles andere ist für mich in diesem Augenblick unerreichbar und verloren«, so sind das keine leeren Worte, die ein Schriftsteller in einer depressiven Stunde schrieb. Sie enthalten die ganze Wahrheit seiner Tragik, der auch andere ausgesetzt waren in jenen Jahren des Exils.
Aber dennoch ist da ein Unterschied: Stefan Zweigs Wesen, seine geistigseelische Existenz brauchte, um leben zu können, den lebendigen Kontakt mit der Welt, mit Menschen und Freunden, mehr vielleicht als andere, denen - äußerlich betrachtet - ein schwereres Schicksal zugedacht war als ihm. Stefan Zweig litt physisch und psychisch unter dem Zustand des Krieges mehr, als seiner Konstitution zuträglich war.
Diesen Zustand der Erschöpfung, ursächlich seiner sensiblen Natur zuzuschreiben, teilt er zwar mit anderen, aber seine Veranlagung, seine tiefe Niedergeschlagenheit in Zeiten der Katastrophen war gefährlicher Art. Romain Rolland, dem er auch in dieser Hinsicht verwandt ist, schrieb einmal von ihm: »Bereits vor dem Ersten Weltkrieg war ich mit Stefan Zweig befreundet und noch heute bin ich sein Freund. Ich war Zeuge, wie unsagbar dieser freie europäische Geist litt, Der Krieg erschütterte ihn in dem, was ihm das Heiligste war, er raubte ihm seinen Glauben an die Kunst und an die Menschheit, er nahm ihm den Sinn des Lebens. Die Briefe, die ich im ersten Kriegsjahr von ihm erhielt, enthüllten die ganze Größe seiner tragischen Zerrissenheit und Verzweiflung.«

Sein Erfolg war seit den frühen Novellen weltweit, er war einer der am meisten übersetzten Schriftsteller. Noch heute kommt die Sekundärliteratur zu Stefan Zweig und seinem Werk vorwiegend aus dem angelsächsischen und slawischen Sprachbereich, weniger aus dem deutschen. Neben der Schachnovelle, in der er die klassische Novellenform meisterhaft mit zeitpolitischem Inhalt gestaltet, sind die Sternstunden der Menschheit wohl sein populärstes Werk geblieben.

In diesen Zwölf historischen Miniaturen werden historische Situationen aus ganz subjektiver Perspektive gesehen und bewertet, weil es Zweig dabei um »die seelische Wahrheit der äußern und innern Geschehnisse« geht. Er suchte im Geschehen der Weltgeschichte nach der einen herausragenden Persönlichkeit, dem »Genius«, in dem er den Wunschtraum oder das Versagen vieler Generationen kristallisiert. Die weltgeschichtliche Entscheidung für Jahrzehnte und Jahrhunderte wird aus Zweigs Sicht von einer einzelnen Persönlichkeit herbeigeführt. Er verstand es, einem Menschen nachzuspüren, eine Situation fast detektivisch bloßzulegen, die den Figuren und den Ereignissen innewohnende Dramatik zu erfassen und herauszuarbeiten. Die Napoleonepisode in den Sternstunden der Menschheit, Die Weltminute von Waterloo, ist aus dieser Sicht eine verpaßte Situation der Weltgeschichte, weil hier einer nicht dem Anruf des Schicksals gehorchte, sondern sich an seine Ordre klammerte:
»Eine Sekunde überlegt Grouchy, und diese eine Sekunde formt sein eigenes Schicksal, das Napoleons und das der Welt. Sie entscheidet, diese Sekunde im Bauernhaus von Walhain, über das ganze neunzehnte Jahrhundert, und sie hängt an den Lippen - Unsterblichkeit - eines recht braven, recht banalen Menschen... Könnte Grouchy jetzt Mut fassen, kühn sein, ungehorsam der Ordre aus Glauben an sich und das sichtliche Zeichen, so wäre Frankreich gerettet. Aber der subalterne Mensch gehorcht immer dem Vorgeschriebenen und nie dem Anruf des Schicksals

Wenn wir das Werk des alternden Dichters betrachten, drängt sich die Frage auf, ob auch in ihm etwas vom Nachlassen der Kraft zu verspüren ist. Wir glauben, das verneinen zu dürfen. Wenn wir sein großes Balzac-Buch lesen, so will uns scheinen, als ob Zweig hier noch einmal zu seiner vollen Gestaltungskraft gelangte, obwohl das Werk durch die Ungunst der Zeit nicht ganz fertig wurde. Sein Freund Richard Friedenthal, der nach Zweigs Tod den Balzac 1946 herausgab, schreibt in seinem Nachwort: »Aber die dunklen Mächte, die Stefan Zweig aus seiner Heimat verjagt und in den Tod getrieben haben, behielten auch diesem Werk gegenüber, wie in allem, Unrecht. Das Buch ist fertig geworden. Es ist nicht völlig das, was Stefan Zweig beabsichtigte, aber ich glaube doch mit gutem Gewissen sagen zu dürfen, daß es einen würdigen Abschluß seines Lebenswerkes repräsentiert. Und es scheint mir in unserer höchst trostbedürftigen Zeit ein hoffnungsvolles Zeichen, daß dieses letzte Buch eines großen Europäers und Weltbürgers jetzt wieder ungehindert seinen Weg antreten und seine Freunde in allen Ländern aufsuchen kann, die ihm die Treue gehalten haben in den Jahren der langen Verdunkelung

Außer an seinem Balzac schrieb Zweig im letzten Jahr seines Lebens die schnell berühmt gewordene Schachnovelle. Hat man früher bei seinen vielgelesenen Erzählungen Amok oder Verwirrung der Gefühle Zweigs besondere Kunst gerühmt, auf knappstem Raum Geschehnisse von unerhörter Spannung zu schildern, so muß der kritische Betrachter von der Schachnovelle sagen, daß sie es an dramatischer Geladenheit durchaus mit allen anderen Geschichten Zweigs aufnehmen kann. Und dennoch: Zweig fühlte sehr genau das Schwinden seiner gestaltenden Phantasie; er wußte, Psychologe nicht nur für andere Menschen, daß die Kräfte nachlassen würden, weil der Sinn des Lebens ihm nebelhaft erschien, je weiter die Katastrophe fortschritt.

Stefan Zweig war durch Übersetzungen im Ausland mindestens ebenso populär geworden wie in den deutschsprachigen Ländern. Er hatte mit Verlegern, nicht nur als Autor, sondern als beratender Freund zusammengearbeitet und beispielsweise vor dem Ersten Weltkrieg mit der Inselbücherei eine der schönsten und beständigsten deutschen Buchserien angeregt, die sein Verleger Anton Kippenberg begründete. In der Emigration war er einer der wenigen, die sowohl über finanzielle Mittel wie einflußreiche Bekannte verfügten. Damit half er, wo immer er konnte, andere mit Visen oder Affidavits in die Emigration zu retten und ihnen dort weiter zu helfen. Sein psychologisches Einfühlungsvermögen, das ihn befähigte, seine historischen Biographien zu schreiben, bewährte sich auch im praktischen Hier und Heute. Schriftstellern wie Joseph Roth und Ernst Weiß beispielsweise zahlte er mit monatlichen Renten ihren Lebensunterhalt. Sein Briefwechsel aus den Jahren der Emigration belegt die immer neuen Versuche zu helfen, wo immer es nötig war. Davon schweigt er in der Welt von Gestern, die zwar die wesentlichen Züge der Zeitgeschichte eindringlich schildert, aber sich nicht auf Privates einläßt.

Die innere Unruhe und die Oual des Verdammtseins, des Ausgestoßenseins aus der Welt seines persönlichen Lebens und seines Vaterlandes haben das innerste Element seines Wesens tödlich erfaßt und getroffen. An dem Verlust seiner vielen Freunde und an dem Heimweh nach einer europäischen Welt, in der er lebte und atmete mit der ganzen Vehemenz seiner an sich schon das übliche Maß sprengenden geistigen Lebensform, ist er seelisch zugrunde gegangen.

In vielen Briefen an seine Freunde aus dem letzten Lebensjahr klingt erschütternd immer wieder die Klage über seine Einsamkeit, die ihn deprimierte, über die Aussichtslosigkeit zu helfen, die ihn oft bis zur Verzweiflung trieb. Einen einzigen dieser Briefe, den uns Hermann Hesse zur Verfügung stellte, wollen wir hier anführen. Er ist gerichtet an einen Freund und trägt das Datum 15. Dezember 1941, wurde also wenige Wochen vor seinem Tode geschrieben:

»Vielen Dank für Ihren Brief und das Buch von Franz Silberstein, das in seiner Klarheit äußerst eindrucksvoll ist. Wie tragisch, daß wir Wenigen das Richtige wußten und wissen, und mit diesem Wissen so jämmerlich ohnmächtig sind. Ich sehe im Augenblick nicht, was ich für das Buch tun könnte, abgeschnitten, wie man von allen Verbindungen ist. Aber wenn sich irgendeine Gelegenheit ergibt, werde ich sie gewiß nicht versäumen. Nie war Kollegialität und gegenseitige Hilfe notwendiger als in diesen grauen Zeiten. Ich bin so niederträchtig, Sie und jeden ein wenig zu beneiden, der ein stabiles Dach über seinem Kopfe hat. Ich lebe jetzt seit anderthalb, eigentlich seit sieben Jahren immer im Provisorischen und gerade hier, wo man sie am nötigsten brauchte, fehlt einem eine richtige Bibliothek. Manche Arbeit, die ich sonst beginnen und fördern könnte, bleibt dadurch stecken. Aber so wenig wie in einem fahrenden Eisenbahnzug kann man bei einem Welterdbeben richtig schreiben.«...

In Petropolis (Brasilien) hat er am 22. Februar 1942 seinem Leben freiwillig ein Ende gesetzt. Sein Abschiedsbrief an die Freunde lautete:

»Ehe ich aus freiem Willen und mit klaren Sinnen aus dem Leben scheide, drängt es mich, eine letzte Pflicht zu erfüllen: .............. Ich grüße alle meine Freunde! Mögen sie die Morgenröte noch sehen, nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger, gehe ihnen voraus.«



Werke von Stefan Zweig Einzelne Werke können Sie hier als PDF-Dokument herunterladen. -

Biographien

Balzac
Maria Stuart
Maria Antoinette
Emil Verhairen
Romain Rolland
Drei Dichter Casanova - Stendhal - Tolstoi
Drei Meister Balzac - Dickens - Dostojewski -
Der Kampf mit dem Dämon Hölderlin - Kleist - Nietzsche -
Joseph Fouché
Heilung durch den Geist Mesmer - Mary Baker-Eddy - Freud
Magellan
Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam
Amerigo - Geschichte eines historischen Irrtums
Frans Masereel.



Novellen

Angst
Schachnovelle hier als PDF
Die Frau und die Landschaft
Leporella
Scharlach
Sommernovellette
Der Verbummler
Vergessene Träume



Erzählungen


Buchmendel - die Geschichte eines einzigartigen Menschen
Die Wanderung
Wondrak
Wunder des Lebens
Zwei Einsame
Der Zwang
Der Stern über dem Wald
Die spät bezahlte Schuld
Untergang eines Herzens -
Unvermutet Bekanntschaft mit einem Handwerk
Brennendes Geheimnis
Phantastische Nacht
Die unsichtbare Sammlung -
Verwirrung der Gefühle
Amokläufer
Brief einer Unbekannten
Die Hochzeit von Lyon
Erstes Erlebnis
Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau
Phantastische Nacht
Praterfrühling
Episode am Genfer See
Geschichte eines Untergangs
Die Gouvernante
Geschichte in der Dämmerung
Die gleich-ungleiche Schwestern
Das Kreuz
Die Liebe der Erika Ewald
Ein Mensch, den man nicht vergisst -



Legenden

Rahel rechtet mit Gott
Virata - Das Auge des ewigen Bruders -
Der begrabene Leuchter
Die Legende der dritten Taube



Dramen

Das Lamm der Armen
Tersites
Jeremias



Romane

Clarissa
Ungeduld des Herzens -
Rausch der Verwandulng



Weitere Werke

Die Welt von Gestern -
Sternstunden der Menschheit
Europäisches Erbe
Castellio gegen Calvin oder ein Gewissen gegen die Gewalt
Länder, Städte, Landschaften
Das Geheimnis des künstlerischen Schaffens
Begegnung mit Menschen, Büchern, Städten
Zeit und Welt
Brasilien, Ein Land der Zukunft
Gesammelte Gedichte
Aufsätze und Einleitungen
Tagebücher und Briefe


Zeittafel




1887- 1892

Besuch der Volksschule in der Werdertorgasse, Wien I.



1892-1900

Schulbesuch im Maximiliangymnasiun, (dem heutigen Wasagymnasium, im neunten Wiener Gemeindebezirk.






ab 1897

Erste Veröffentlichungen von Gedichten in Zeitschriften. u. a. in "Deutsche Dichtung (Berlin) und "Die Gesellschaft" (München).



1900

Nach der Matura erste Reise nach Frankreich.



1900-1904

Studium an der Universität Wien Studienrichtung Philosophie. Germanistik und Romanistik.



Wien I, Rathausstraße 17,
hier wohnte die Famiele seit 1895

Universität Wien




1901

Zweigs Erste Buchveröffentlichung - ein erster Gedichtband: "Silberne Saiten", Gedichte, im Verlag Schuster & Löffler, Berlin.



1902

Stefan Zweig verbringt das Sommersemester 1902 an der Universität in Berlin. Kontakte zum Schriftstellerkreis "Die Kommenden". Erster Beitrag für das Feuilleton der "Neuen Freien Presse" in Wien, deren Mitarbeiter er bis 1938 bleiben wird. Bekanntschaft mit Theodor Herzl. Reise nach Belgien, Beginn der Freundschaft mit Emile Verhaeren. Stefan Zweigs Übersetzungen der Gedichte Baudelaires werden veröffentlicht.



1904

Abschluß des Studiums mit einer Dissertation über Hippolyte Taine. Der erste Band mit Erzählungen erscheint: "Die Liebe der Erika Ewald" in Berlin. Längerer Aufenthalt in Paris. Begegnung mit Rilke und Rodin. Reisen zu Verhaeren nach Belgien. Reise nach England.



1905

Reise nach Spanien und Algier. Die Monographie über Paul Verlaine wird veröffentlicht.



1906

Der zweite Gedichtband erscheint: "Die frühen Kränze" im Insel-Verlag, Leipzig. Viermonatiger Aufenthalt in England.



1907

Übersiedlung in die erste eigene Wohnung, Kochgasse 8. Wien VIII. Das Theaterstück "Tersites" wird veröffentlicht. Die Uraufführung, ursprünglich für das Königliche Schauspielhaus in Berlin geplant, findet in November 1908 gleichzeitig in Dresden und Kassel statt. ."Rimbaud: Leben und Dichtung" erscheint im Insel-Verlag.



1908/1909

Fünfmonatige Reise nach (Ceylon, Gwalior, Kalkutta. Benares, Rangun und Hinterindien.



1911

Zweigs mehrjährige Tätigkeit, das Werk des belgischen Dichters Emil Verhaeren deutschsprachigen Lesern bekannt zu machen, findet den Abschluß In einer zweibändigen deutschen Werk-Ausgabe und einer monographischen Studie Reise nach Paris, erste Begegnung mit Romain Rolland.



1910

Reise in die USA, nach Kanada, Kuba und Puertorico. Der Er- zählungsband "Erstes Erlebnis. Vier Novellen aus Kinderland" erscheint.



1912

Uraufführung des Einakters "Der verwandelte Komödiant" in Breslau (5. Mai). Uraufführung des Theaterstücks "Das Haus am Meer" am Wiener Burgtheater (26. Oktober`). Beginn der Freundschaft mit Friderike Maria von Winternitz, geb. Burger.

Stefan Zweig, etwa 1912


1913

Die Novelle "Brennendes Geheimnis" erscheint im Leipziger Insel-Verlag.



1914

Stefan Zweig meldet sich bei Kriegsausbruch freiwillig zum Militär und wird am 1. Dezember ins Kriegsarchiv überstellt. Mitarbeit an diversen Propagandaschriften des Kriegsarchivs und an der patriotischen Zeitschrift "Donauland".




1915

Dienstreise an die galizische Front.



1916/1917

In diesen Jahren wohnen Friderike von Winternitz und Stefan Zweig von Frühjahr bis Herbst in Kalksburg, am südlichen Stadtrand Wiens. Kauf des Hauses auf dem Kapuzinerberg in Salzburg.







1917

Stefan Zweig wird Teilhaber der Firma Moritz Zweig. Aus einem- zweimonatigen Beurlaubung vom Militärdienst zu Vorträgen in der Schweiz wird ein eineinhalbjähriger Aufent- halt. Kontakte zu pazifistischen Schriftstellern aus Deutschland. Frankreich und der Schweiz. Begegnungen mit James Joyce. Hermann Hesse, Rene Schickele, Anette Kolb, Pierre-Jean Jouve und Frans Masereel u. a.



1918

Premiere des Theaterstücks "Jeremias" am neuen Stadttheater in Zürich (27. Februar). In Hamburg wird das Theaterstück "Legende eines Lebens" uraufgeführt. (25. Dezember) Stefan Zweig übersetzt Romain Rolland Roman "Clerambault" und sein Theaterstück "Die Zeit wird kommen". Im März gemeinsam mit Friderike von Winternitz für ein Jahr im Hotel Belvoir, Rüschlikon bei Zürich. Hier wird der Dostojewski-Essay verfaßt.



1919

Ende März Rückkehr nach Österreich. Übersiedlung nach Salzburg, in das Haus auf dem Kapuzinerberg 5. Im Wiener Volkstheater wird das Stück "Jeremias" aufgeführt (9. Oktober).




1920

Eheschließung mit Friderike von Winternitz im Wiener Rathaus. Die Erzählung "Der Zwang" erscheint, außerdem "Drei Meister", ein Band mit Essays über Balzac, Dickens und Dostojewski.




Friderike Maria von Winternitz(1882-1971),
Stefan Zweigs erste Frau, 1920


1922

Die Monographie "Romain Rolland - Der Mann und das Werk" erscheint im Verlag Rütten & Loening in Frankfurt am Main. Der Erzählungsband ,,Amok". "Novellen einer Leidenschaft" wird veröffentlicht, außerdem eine von Stefan Zweig herausgege- bene Ausgabe der Werke Paul Verlaines. Die Legende "Die Augen des ewigen Bruders" erscheint in der Insel-Bücherei und wird rasch zu einem populären Buch.



1923

Stefan Zweigs monographische Studie "Frans Masereel. Der Mann und Bildner" wird im Axel Juncker-Verlag, Berlin, veröf- fentlicht.



1924

Im Insel-Verlag, Leipzig, erscheinen "Die gesammelten Ge- dichte" Stefan Zweigs. In Paris erste Begegnung mit Salvador Dali.



1925

Der zweite Band der großen Essays über Hölderlin, Kleist und Nietzsche wird veröffentlicht: "Der Kampf mit dem Dämon". Lesereise durch Deutschland. Frankreichaufenthalt.



1926

Tod des Vaters. Das Theaterstück "Volpone" (nach Ben Jonson), Zweigs erfolg- reichstes Stück, erscheint als Buch. Vortragsreise durch Deutschland. Uraufführung von "Volpone" am Burgtheater Wien (6. Novem- ber).



1927

Der Novellenband "Verwirrung der Gefühle" erscheint, ebenso die "Sternstunden der Menschheit". Im Residenztheater München Gedächtnisrede für Rainer Maria Rilke. In der Sowjetunion wird eine zehnbändige Werkausgabe Stefan Zweigs herausgegeben. Maxim Gorki schreibt dazu das Vorwort.



1928

Die erste Biographie Stefan Zweigs (Autor: Erwin Rieger) wird veröffentlicht. Der dritte Band der großen Essays (über Casanova, Stendhal und Tolstoi) erscheint unter dem Titel .,Drei Dichter ihres Lebens". Frankreich- und Belgien-Reise. Reise in die Sowjetunion zur Feier des 100. Geburtstags von Leo Tolstoi.



1929

,,Joseph Fouche "Bildnis eines politischen Menschen" erscheint, ebenso das Theaterstück " Das Lamm der Armen" Uraufführung 1930 in Breslau und der Novellenband "Kleine Chronik". Vortragsreise durch Deutschland und Belgien. Gedächnisrede bei der Trauerfeier für Hugo von Hofmannsthal im Wiener Burgtheater.



1930

Große Italienreise, Besuch bei Maxim Gorki in Sorrent. Begegnung mit Albert Schweizer in Günsbach. Zweigs Theaterstück "Das Lamm des Armen" wird in Breslau, Hannover, Lübeck, Prag und Wien gespielt.



1931

Auftrag für das Libretto zur Oper "Die schweigsame Frau". Frankreichreise, Besuch bei seinem Freund Joseph Roth. Der vierte Essayband "Die Heilung durch den Geist" (über Sigmund Freud, Anton Mesmer und Mary Baker-Eddy) erscheint.



1932

,,Marie Antoinette. Bildnis eines mittleren Charakters" erscheint im Insel-Verlag, Leipzig. Reisen nach Frankreich und Italien, Vorträge in Florenz und Mailand.



1933

Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten, bei denen auch Stefan Zweigs Bücher verbrannt werden. In Deutschland dürfen seine Veröffentlichungen nicht mehr vertrieben werden. Bis 1938 erscheinen Zweigs Bücher im Verlag von Herbert Reichner, Wien. In Basel Vorarbeiten zu "Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam". Reise nach Frankreich und Italien. Im Herbst längerer Aufenthalt in London, wo Zweig sich eine kleine Wohnung mietet (Portland Place 11).



1934

Nach der polizeilichen Hausdurchsuchung im Salzburger Haus übersiedelt Zweig nach London. Friderike bleibt in Salzburg. "Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam" erscheint. Lotte Altmann wird Zweigs Sekretärin ,gemeinsam mit ihr reist Zweig nach Schottland, um Material für die Biographie "Maria Stuart" zu sammeln. Im August Reise in die Schweiz und nach Salzburg. Die Auflösung des Salzburger Haushalts wird geplant.



1935 In Dresden Uraufführung der Oper "Die schweigsame Frau" von Richard Strauss, für die Stefan Zweig das Libretto verfaßt hatte. Kurz nach der Premiere wird die Oper in Deutschland verboten. Reise in die Schweiz, nach Frankreich. Vortragsreise in den USA. Die Biographie "Maria Stuart" wird veröffentlicht.



1936

In London Übersiedlung in eine größere Wohnung (Hallam Street 49). In Wien erscheinen in zwei Bänden die gesammelten Erzählungen Stefan Zweigs. Die religionsgeschichtliche Studie "Castellio gegen Calvin - Ein Gewissen gegen die Gewalt" wird veröffentlicht. Im August erste Reise nach Brasilien, zahlreiche Lesungen und Vorträge. Anschließend nach Argentinien zum PEN-Kongreß in Buenos Aires.



1937

In Wien erscheint ein Band mit gesammelten Aufsätzen. Vorworten, Reden u. ä. "Begegnungen mit Menschen. Büchern, Städten". Das Salzburger Haus wird verkauft. "Magellan. Der Mann und seine Tat" erscheint.



1938

Stefan Zweig fährt mit Lotte Altmann nach Portugal. Tod der Mutter. Im August Antrag auf britische Staatsbürgerschaft. Scheidung von Friderike im Dezember. Bei der nationalsozialistischen Bücherverbrennung in Salzburg werden auch Stefan Zweigs Bücher verbrannt. Vortragsreise durch 30 amerikanische Städte.



1939

Heirat mit Lotte Altmann, im Juli Übersiedlung von London nach Bath, UK. Beginn der Arbeit an einer zweibändigen Biographie von Honore de Balzac.

Der Roman "Ungeduld des Herzens" erscheint in London und in den beiden Exil-Verlagen Gottfried Bermann-Fischer, Stockholm, und Allert de Lange in Amsterdam. "Worte am Sarge Sigmund Freuds" am 26. 9., Krematorium von Golder`s Green, London.



1940

Lotte und Stefan Zweig beziehen in Bath ein eigenes Haus. Im März werden Lotte und Stefan Zweig britische Staatsbürger. Im April Reise zu einem Vortrag "Das Wien von gestern" im Theatre Marggny in Paris. In Paris Arbeit am "Balzac". Im Juli Reise mit Lotte von London nach New York, anschließend Vortragsreise durch Südamerika. Rückkehr nach New York. Letzte Begegnungen mit dem deutschen Exil-Schriftstellern. Arbeit an dem Buch "Brasilien. Land der Zukunft".



1941

In der Yale-Universität von New Haven Arbeit an der Amerigo-Vespucci-Biographie. 1944 erscheint sie unter dem Titel "Amerigo - Geschichte eines historischen Irrtums". Den Sommer verbringen Lotte und Stefan Zweig in Ossining im Staate New York. Die erste Fassung der Autobiographie "Die Welt von gestern", ursprünglicher Titel "Drei Leben", wird abgeschlossen. Ende August Reise nach Brasilien. In Petropohis bei Rio de Janeiro mieten Lotte und Stefan Zweig ein kleines Haus. Hier entsteht die "Schachnovelle". Eine Studie über Montaigne wird begonnen.



1942

Die Nachrichten über die Ausweitung des Weltkriegs führen zu einer schlimmer werdenden Depression. Am 22. Februar Freitod von Lotte und Stefan Zweig. Entgegen dem testamentarischen Wunsch erhält das Ehepaar Zweig ein Staatsbegräbnis am Friedhof von Petropolis. Im Mai 1942 beschließt die Wiener Universität, Stefan Zweig den Doktortitel abzuerkennen.


Die Schachnovelle

Die Schachnovelle - ein kleines Werk mit großer Wirkung




1934 Nationalsozialistische Studenten verbrennen in Deutschland Bücher jüdischer Schrifsteller.


Entstanden als man unter der deutschen Naziherrschaft Juden und jüdische Schriftseller verfolgte, verhaftete und in Konzentrationslager brachte.

Zuerst durchsuchte man das Haus des Pazifisten Stefan Zweig in Salzburg nach Waffen, dann zwang man ihn und seine Familie ins Exil, raubte seine Möbel und verbann seine Bücher, die in 56 Sprachen übersetzt wurden. Er verließ Österreich und ging zuerst nach England, dann nach Amerika und zum Schluss versuchte er, in Brasilien Ruhe zu finden. Dort, in den letzten Monaten seines Lebens entstand dieses einmalige Werk.




Inhalt dieser Seite:

1. Die Schachnovelle - das Buch
2. Die Schachnovelle - der Text hier im Original als PDF
3. Filme und Verfilmungen der Schachnovelle
4. Sekundärliteratur


Doch wir empfehlen Ihnen - und das gilt selbstverständlich für alle Zweig Bücher, dieses einzigartige Werk als Buch in Ihr Regal zu stellen.

Das Buch






Der Film

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Das PDF

Die Schachnovelle - als Werk - können Sie hier herunterladen - Die Ausgabe dient dem privaten Gebrauch - eine Vervielfältigung ist nicht gestattet:

Weitere Infos unter: "Literatur"

Wir empfehlen Ihnen für Ihre Hausarbeit, Seminararbeit oder Referat die folgenden Bücher zur und über die Schachnovelle - damit gelingt Ihre Arbeit!


Sekundärliteratur - Die Hilfen für jeden Hausarbeit



Für jeden der mehr über Stefan Zweig erfahren möchte, der lese von Stefan Zweig "Die Welt von Gestern - Erinnerungen eines Europäers." Eine Autobiographie und eines seiner letzten Werke. Das Buch erzählt in spannender Weise Zweigs Lebensgeschichte von der Schulzeit in Wien, seinen vielen Begegnungen und zum Schluss das Leben im Exil. Wirklich, sehr zu empfehlen. Wer noch tiefer einsteigen will, sollte von Zweig die wichtigsten Novellen lesen, dann einige der hier aufgelisteten Biographien. Die Welt von Gestern - Erinnerungen eines Europäers.



1. Buch: Lektüreschlüssel Stefan Zweig Schachnovelle



2. Buch: Interpratationshilfe Deutsch

3. Buch: Königs Erläuterungen



4. Buch Zweig: Schachnovelle: Modelle für den Literaturunterricht








 
Literatur über Stefan Zweig



Bücher, Arbeiten, Referate und Zeitungsartikel über Stefan Zweig




1. Biographien über Stefan Zweig
2. Referate zu Werken und zur Schachnovelle
3. Zeitungsartikel







Biographien über Stefan Zweig:



1. Zu den besten Einführungen in die Welt Zweigs gehört immer noch seine Autobiographie "Die Welt von Gestern" von Stefan Zweig selbst.

2.Biographie seiner Ex-Frau Friderike "Stefan Zweig - wie ich ihn erlebte.1947". Das Werk ist vergriffen.

3.Die umfangreichste und am ausfürhlichste Biographie von Donald Prater 1972 "European of Yesterday, a Biography of Stefan Zweig"

4. Hans Hellwig 1948,m "Stefan Zweig - ein Lebensbild"

5. Elizabeth Allday: Stefan Zweig, a Critical Biography, 1972

6. Joseph Strelka, "Stefan Zweig - freier Geist der Menschlichkeit", 1981

7. Rosi Cohen, "Das Problem des Selbstmordes in Stefan Zweigs Leben und Werk",1982

8. Hartmut Müller, Rowohlt Taschenbuch " Stefan Zweig", 1988

9. Thomas Haenel, "Psychologie aus Leidenschaft Stefan Zweig leben und Werk", 1995

Die umfangreichste Bibliographie mit über 900 Seiten stammt von Randolph Klawiter, 1965, Neuauflage 1991

Wer Stefan Zweig kennen und verstehen will, sollte auch unbedingte die Werke des Franzosen Romain Rolland und des Belgiers Emil Verhaeren lesen.






Referate
Arbeiten über die Schachnovelle Schachnovelle:

1. Arbeit zur Schanovelle

2. Arbeit zur Schachnovelle



Arbeiten zu anderen Werken:

Dies Magisterarbeit wurde uns mit freundlicher Unterstützung von Agata Fabis zur Verfügung gestellt.

Titel der Arbeit: Tragische Liebende im Werk Stefan Zweigs und Arthur Schnitzlers. 52 Seiten

Download: Tragische Liebende im Werk Stefan Zweigs und Arthur Schnitzlers.


Arbeit über das Werk Maria Stuart

Arbeit über die Erzählung "Die unsichtbare Sammlung"


Inhalt einer Literaturliste zu weiteren Büchern über Stefan Zweig
   
Verfilmungen




(einige Werke wurden mehrmals verfilmt auch zu verschiedenen Zeiten)



Amok. (1927,1934,1944)
Angst. (1928,1936,1954,1978)
Brennendes Geheimnis. (1923,1933,1977,1988)
Brief einer Unbekannten. (1923,1943,1948)
Das Genie einer Nacht. (1927)
Georg Friedrich Händels Auferstehung. (1980)
Das gestohlene Jahr. (1950)
Das Haus am Meer. (1924)
Das Lamm der Armen. (1978)
Legende eines Lebens. (1954)
Marie Antoinette. (1938)
Rausch der Verwandlung. (1989)
Schachnovelle. (1960,1973,1981)
Ungeduld des Herzens. (1946,1980)
Die unsichtbare Sammlung. (1953,1972)
Verwirrung der Gefühle. (1979)
Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau. (1931,1944,1952,1961,1965,1968)
Volpone. (1947,1978)




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Begegnungen seines Lebens



Theodor Herzl,1828-1826, Wien





Schriftsteller Peter Hille(1854-1904), Berlin 1900 während Zwiegs Studium in Berlin





Rudolf Steiner(1861-1925), Berlin 1901





Martin Buber(1878-1965), Wien 1901





Schriftsteller Karl Martin Franzos(1848-1904), Berlin 1901





Jüdischer Zeichner E.M. Lilien(1887-1925), Berlin 1901





Arthur Schnitzler(1862-1951), 1908





 
 
Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal(1874-1929), Wien 1905





Belgischer Dichter Emile Verhaeren(1855-1916), Belgien





Schriftsteller Rainer Maria Rilke(1875-1926), in Rippoldsau 1913





Bildhauer Auguste Rodin(1840-1917), Paris





Zweig mit dem Schriftsteller und Kunstkriker Benno Geiger(1882-1965)


Wiener Theatherkritikerin und Publizistin Zuckerkandl(1864-1945), 1915





Schriftstellerin Else Lasker-Schüler(1869-1945), Berlin 1902





Politiker und Schriftsteller Walter Rathenau(1867-1922), 1908





Schriftsteller Gerhart Hauptmann(1862-1946), Rapallo 1913





Schriftsteller Karl Kraus(1874-1936), 1913

Kontakt

Stefan Zweig - www.stefanzweig.de

für alle Leser, Fans und Freunde von Stefan Zweig!

Sie können uns gerne Fragen und Anregungen mitteilen:

Marc Rombach


mail(at)stefanzweig.de




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